Beruf oder Berufung

In diesem Blog möchte ich Dich gerne an meinen Erfahrungen und Erkenntnissen, als Trauerrednerin teilhaben lassen.

Bei Freunden, Bekannten oder auch Kollegen habe ich früher schon das eine und andere Mal bei der Beerdigung eine Rede gehalten. Ohne jedoch einen Gedanken daran zu verschwenden, dies professionell zu tun. Aber ich spürte es erfüllt mich und ich war jedes Mal so beseelt und glücklich auf der Heimfahrt.

Den Aha-Moment bekam ich jedoch erst später, als ich wegen meines gebrochenen Fußes für sechs Wochen auf einem Sessel sitzen und Ruhe und Stille erfahren und erleben durfte. In dieser Zeit reifte in mir der Gedanke, dies doch weiter auszubauen und zu intensivieren.

So durchlief ich nach meiner Genesung diverse Schulungen und beendete diese als Trauerrednerin.

Es ist mein Herzenswunsch, das Leben der Verstorbenen mit einer würdevollen Zeremonie zu begleiten und bei diesem Abschied, die Essenz seines Lebens nochmal zu betonen.

Nach jeder Trauerfeier oder Beerdigung bin ich so erfüllt und beseelt, als ob ich die ganze Nacht an der Steckdose aufgeladen worden wäre.

Es geht natürlich nicht nur um die Rede, sondern auch um das Vorgespräch und dass ich Menschen helfen und unterstützen kann, wenn sie gerade eine emotional herausfordernde Zeit erleben.

Jede Trauerfeier und jede Beerdigung ist anders und einzigartig.

Bei einer Trauerfeier hat zum Beispiel der Bestatter – die Urne vergessen – also die Hauptperson, warum diese ganze Zeremonie überhaupt inszeniert wurde.
Das sei ihm noch nie passiert – logischerweise !!
Er hatte die Rosenblätter dabei – die wir anschließend auf die Urne streuen konnten, aber eben die Urne nicht.
Als ich sagte – bleiben Sie entspannt – das ist der HELMUT – der noch seine eigene Note heute einbringen will – wurden die Angehörigen und auch der Bestatter etwas entspannter.

Eigentlich – ist das – das Schönste und Größte Zeichen, das wir bei dieser Zeremonie bekommen konnten !!

Denn der Verstorbene – Helmut – kam gerne auf den letzten Drücker und so fünf Minuten zu spät gilt ja offiziell noch als pünktlich.
Jetzt möchte ich erwähnen, dass ER stolze 84 Jahre alt wurde und hatte ein erfülltes Leben gelebt. Die Krankheit Krebs hatte ihn die letzten Jahre immer mehr eingeschränkt. Die letzten Wochen und Monate wurden immer schwerer. Schließlich ist er friedlich eingeschlafen und wurde von seinem Leiden erlöst.
Bis zum Schluss war das Thema TOD – tabu für ihn. Vielleicht dachte ER – dass seine treue Ehefrau, wie immer – alles regeln und perfekt organisieren wird – wie sie schon die letzten Jahrzehnte – Vieles großartig organisiert hatte.

Die Trauerfeier war ein paar Monate nach dem Tod, das bedeutete – die Seele hatte schon ein wenig Zeit gehabt – sein Leben Revue passieren zu lassen und vielleicht wollte er noch Einfluss auf sein Abschiedsfest nehmen.
Es war schönes Wetter und trocken und die Trauergäste haben entspannt und wir haben gemeinsam die nächsten 30 Minuten gewartet und uns unterhalten, bis die Urne von seinem Mitarbeiter gebracht wurde.

Selbstverständlich habe ich diese Situation gleich in meine Trauerrede mit eingebaut und erwähnt, dass es sich Helmut anscheinend in letzter Minute doch anders überlegt hat – und noch ein wenig mitgestalten wollte und somit auch zusätzlich noch Zuwendung und Aufmerksamkeit erhalten hat.

Viele Menschen wollen alles unter Kontrolle haben und dann wird womöglich auch solch eine Zeremonie ganz genau durchgetaktet und verplant. Dann würde solch eine Situation vielleicht zu einem Drama führen.
Bedauerlicherweise ist dann schwer möglich, dass die Seele sich mit einbringen kann, weil einfach kein Raum für Überraschungen gegeben ist.

Da der Bestatter und die Angehörigen sehr offene und neugierige Menschen sind, konnte ich mit meiner Sichtweise dazu beitragen, dass es eine wirklich gesegnete Zeremonie wurde und jeder auf seine eigene Art und Weise, die Seele spüren und erkennen konnte.

Und jetzt noch ein weiteres Beispiel:
Normalerweise sind es die Angehörigen, die meine Auftraggeber sind. Bisher hatte ich einen einzigen Fall, bei der die Hauptperson selbst – mich beauftragt hat und zehn Tage später gestorben ist.

Sie war gerade mal 54 Jahre jung und hatte Lungenkrebs und für sie wurde so etwas einfaches – wie ein Atemzug – zu etwas – wofür sie dankbar war – und was nicht mehr so selbstverständlich für sie war.

Sie wollte ihren Liebsten zwei Botschaften hinterlassen:  wie WERTvoll das Leben ist und dass man mehr dankbar sein sollte – für das – was man hat.

und die zweite Botschaft war – dass es niemals am Glas liegt – ob man es halb voll oder halb leer sieht – sondern immer im Auge des Betrachters liegt, welchen Standpunkt man selbst einnimmt.

Es war für mich sehr besonders und ich spürte, dass es noch kraftvoller ist, wenn ich betonen kann – SIE wollte dass ich dies und das euch mitteile und es war IHR Wunsch dass ich euch an dies und das erinnere.
Also diese Trauerfeier werde ich auch intensiv in Erinnerung behalten.

Was möchte ich damit sagen ?
Jeder Mensch ist einzigartig. Jeder hat seine eigene DNA und jeder hat seinen eigenen Fingerabdruck. Kein Mensch gleicht einem anderen. Und so ist auch jedes Abschiedsfest – jede Beerdigung und jede Trauerfeier einzigartig und einmalig und sagt sehr viel über die Seele aus, die gegangen ist.

Wenn man Augen hat, die sehen und Ohren hat, die hören – dann kann man auch viele Zeichen wahrnehmen.
Gerade die Zeit vom Tod bis zur Beerdigung ist sehr intensiv, speziell, magisch und bedeutungsvoll.

Egal mit wieviel Jahren jemand stirbt – es war ein ganzes Leben – und deshalb ist es mein Herzenswunsch – das Leben des Verstorbenen zu würdigen und beim Abschiedsfest mit einer würdevollen Zeremonie die Essenz seines Lebens nochmal zu betonen.

Worte sind kraftvoll und Worte sind machtvoll.

Es geht nicht nur um die Person – die gegangen ist, die erkennen kann, dass ihr Leben bedeutungsvoll war.
Es geht auch nicht nur um die Hinterbliebenen, die Abschied nehmen können.
Es geht auch darum, dass Zeremonien etwas ganz Besonderes sind. Alle Anwesenden sind mal für eine kurze Zeit – oder für einen Tag – ganz raus aus dem Alltag. Und so intensiv gelebte Augenblicke können sehr kraftvoll und heilend sein.

info@sacide.de     0171 / 80 33 503    88662 Überlingen

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